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Wie KI das gemeinsame Forschen bereichern kann

Am diesjährigen Wissenschaftsfestival «Scientifica» waren wir zusammen mit zwei Citizen Science-Projekten vor Ort. Wir zeigten, wie die Projekte auf Künstliche Intelligenz (KI) setzen und wollten von Besucher*innen wissen, wie sie selbst mit KI in Berührung kommen.

Autor: Olivia Höhener, Priya Mohanty, Ursina Roffler

Es war die bislang grösste Scientifica. An 80 Ausstellungsständen und in diversen Shows und Workshops präsentierten Wissenschaftler*innen der Universität Zürich und ETH Zürich aktuelle Forschung und luden Besucher*innen ein, Wissenschaft zu erleben. Am Beispiel von den zwei Citizen Science-Projekten «MyFlock» und «MAGIE» zeigten wir an unserem Ausstellungssand, wie KI in Citizen Science sinnvoll eingesetzt werden kann – ob in der Datenanalyse oder aber als kreativer Sparringpartner.

Intelligente Vogelfutterhäuschen

Das Projekt «MyFlock» entwickelt intelligente Vogelfutterhäuschen und nutzt KI, um Gartenvögel zu identifizieren. Bürger*innen stellen den Vogelfutterspender bei sich im Garten oder auf dem Balkon auf und können über eine interaktive App Videos von den Vögeln ansehen, ihnen Namen geben und ihre Aktivitäten über einen längeren Zeitraum verfolgen. Denn die KI erkennt nicht nur die Vogelarten, sondern jeden Vogel ganz individuell. Die gewonnen Informationen helfen der Wissenschaft, mehr über Vögel zu erfahren und Wege zu finden, sie zu schützen. 

Am Stand konnten Besucher*innen selbst in die Rolle der KI schlüpfen: Auf spielerische Art und Weise konnten sie Vögel identifizieren und haben dabei gemerkt, dass das nicht ganz so einfach ist. Gleichzeitig gab es ein Vogelfutterhaus zum Anschauen und Anfassen.

Märchen neu schreiben

Das Projekt «MAGIE» untersucht gemeinsam mit Familien, wie Märchen die Fantasie, Sprache, Gefühle und das soziale Verstehen von Kindern anregen können. KI wird als kreativer Sparringpartner genutzt – etwa mit einem Märchenbaukasten, der bekannte Erzählelemente neu kombiniert und durch Illustrationen sichtbar macht. Am Stand konnten Kinder spielerisch eigene Märchenideen erfinden. Mit vier Würfeln wurden Hauptfigur, Gegenspieler*in, ein Ort und ein Gegenstand gewürfelt. Basierend darauf verfassten die Kinder dann ihre eigenen Märchen. Wer Ausdauer hatte, konnte die Geschichte noch in einer Zeichnung festhalten. Insgesamt konnten Besucher*innen hautnah erleben, wie alte Geschichten mit moderner Technologie neu erzählt, illustriert und erforscht werden.

Weiterführende Informationen

KI als Verbündete: Wie künstliche Intelligenz inklusive Citizen Science unterstützen kann

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Keine Einzelfälle

Diese Beispiele zeigen: zunehmend mischt Künstliche Intelligenz in Citizen Science mit. KI kann in Citizen Science-Projekten kreativer Sparringpartner sein, für die Analyse von Daten genutzt werden oder aber Zugangsbarrieren abbauen und dadurch Bürger*innen das Mitmachen vereinfachen. Gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen. Welche Chancen birgt der Einsatz von KI? Wie steht es um Themen wie Nachhaltigkeit, Datenschutz oder Transparenz? Und welche Nachteile kann der Einsatz haben? Wir haben Besucher*innnen der Scientifica nach ihrer Meinung gefragt.

In spannenden Gesprächen und Begegnungen hat sich gezeigt, dass das Thema durchwegs bewegt. Viele sehen in KI ein hilfreiches Werkzeug. Sie kann die Zusammenarbeit über Sprachgrenzen hinweg erleichtern, Bürger*innen und Forschende beim gemeinsamen Formulieren von Fragestellungen unterstützen und neue Zugänge zu Citizen Science schaffen. Auch für die Forschung selbst ergeben sich neue Möglichkeiten, etwa wenn KI dabei helfen kann, schädliche oder belastende Forschung mit Tieren durch alternative Methoden zu ersetzen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Einsatz von KI nicht einfach selbstverständlich sein sollte. Transparenz und Mitbestimmung sind zentrale Anliegen. Citizen Scientists sollten wissen, wann und wie KI eingesetzt wird und darüber mitentscheiden können. Auch grundlegendere Fragen kamen auf: Was passiert mit unseren eigenen Fähigkeiten, wenn KI immer mehr für uns übernimmt? Was geschieht mit Kreativität, wenn wir Vorstellungsvermögen, Texte und Bilder an KI delegieren? Und reproduziert KI bestehende Vorurteile und Ungleichheiten, anstatt sie zu hinterfragen? Zwischen Begeisterung über die Möglichkeiten und Skepsis gegenüber einer zunehmenden Abhängigkeit von KI wurde eines besonders deutlich: KI sollte Menschen unterstützen, nicht sie ersetzen oder zu Objekten ihrer Anwendung machen.

Wir bleiben dran

Das Thema KI und Citizen Science beschäftigt uns weiter. Erst kürzlich haben wir die ECSA Arbeitsgruppe für «Citizen Science & AI» mitgegründet. Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe wollen wir eine gemeinsame Sammlung von Anwendungsbeispielen sowie die Weiterentwicklung von Leitprinzipien für den Einsatz von KI in Citizen Science vorantreiben.

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