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Bericht: Citizen Science Summer School, Juni 2026

Bei warmem Sommerwetter fand an der Universität Zürich die fünfte Ausgabe unserer Citizen Science Schools statt. 28 Nachwuchsforschende aus 14 Ländern mit unterschiedlichen akademischen Hintergründen kamen für eine Woche voller neuer Bekanntschaften und lebhafter Diskussionen zusammen und lernten in einem praxisorientierten Programm neue Fähigkeiten und Werkzeuge kennen, um ihre eigenen Projekte voranzubringen.

Autor: Julienne Karzig (Text und Fotos), Priya Mohanty (Text und Fotos), Maja Fischer (Text und Fotos), Ursina Roffler (Fotos)

Fokus der diesjährigen School

In dieser Ausgabe stand im Fokus, wie Citizen Science die Art und Weise, wie Forschung betrieben wird, verändern kann, indem grundlegende Fragen zur Wissensproduktion gestellt werden: Wer darf mitmachen? Wie kann Forschung inklusiver werden? Welche Rolle spielen Macht und gelebte Erfahrung bei der Wissensproduktion? Und wie kann Forschung sozial und politisch relevanter werden?

Die Teilnehmenden erhielten durch zwei sich ergänzende Keynotes Einblick in aktuelle Debatten innerhalb und rund um Citizen Science. In der ersten Keynote stellte Prof. Dr. Nivedita Prasad (Alice Salomon Hochschule Berlin) anhand feministischer partizipativer Aktionsforschung und ihrer jahrzehntelangen Erfahrung als Forscherin in der Sozialen Arbeit die Vorstellung neutraler Forschung infrage, indem sie auf den Begriff des situierten Wissens Bezug nahm. Sie argumentierte, dass jegliches Wissen durch die sozialen Positionen und Erfahrungen der Forschenden geprägt ist, und rief zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Macht, zur Anerkennung vielfältiger Formen von Expertise sowie zu Forschung auf, die mit den Gemeinschaften arbeitet, die sie verstehen will, statt bloss über sie.

Darauf aufbauend zeigte PD Dr. Bianca Vienni-Baptista (ETH Zürich) auf, wie Wissen aus Wissenschaft, Politik und Praxis sinnvoll zusammengeführt werden kann, um komplexe gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen. Sie verstand inter- und transdisziplinäre Integration als einen dynamischen und mehrdimensionalen Aushandlungsprozess zwischen unterschiedlichen Wissensformen, Erfahrungen, Werten und Perspektiven.

Feedback von Teilnehmenden: „Die Keynote von Nivedita am Montag hat mir besonders gefallen. Das war für mich ein richtiger Augenöffner.“

„[Ich habe jetzt] eine klare Vorstellung davon, was die Konzepte interdisziplinär und transdisziplinär bedeuten.“

Lernen aus der Praxis

Zu Beginn der Summer School setzten sich die Teilnehmenden mit einer breiten Palette an Projekten auseinander, die aufzeigten, wie partizipative Ansätze in unterschiedlichen Kontexten angewendet werden und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind.

Tolullah Oni und Waziri Mainasara stellten uns online UrbanBetter vor, eine Infrastruktur für jugendorientierte, gemeinschaftlich getragene Projekte für gesündere und klimaresilientere Städte in ganz Afrika. Vier Zürcher Initiativen mit Dr. Hoda Allahbakhshi und Hannah Margaret Fairless (ZuReach), Angela Kolb (Jedes Alter zählt), Dr. Juliane Neuhaus (Wir sind Wetzikon. Zusammen) und Linnaea Cahill (CrowdWater) gaben Einblicke in Konzeption, Umsetzung und Lernerfahrungen aus ihren Citizen-Science-Projekten. Sechs Teilnehmende der Summer School präsentierten zudem ihre eigenen Forschungsprojekte und erhielten Rückmeldungen von den anderen Teilnehmenden.

Im weiteren Verlauf der Woche entwickelten die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten in interaktiven Workshops weiter, die sich mit dekolonialen Forschungsansätzen, Forschung mit marginalisierten Gemeinschaften, Community Engagement, paritzipativem Forschungsdesign sowie Fragen zu gesellschaftlicher Wirkung befassten. Unter der Leitung unserer langjährigen Partnerinnen Dr. Yvonne Riaño, Pia Viviani und Dr. Ruth Förster sowie der Kolleginnen unseres Zentrums, Olivia Höhener und Melanie Brand, verbanden die Workshops praktische Werkzeuge mit kritischer Reflexion darüber, wie partizipative Forschung so gestaltet werden kann, dass sie sowohl inklusiv als auch wirksam ist.

„[Ich habe] neue und spannende Ansätze kennengelernt, um Bürger*innen in partizipative Projekte einzubeziehen.“

„Fast jeden Tag hatte ich die Möglichkeit, von Projekten aus der Praxis zu lernen, was Citizen Science für mich ‚entmystifiziert‘ hat.“

Lernen voneinander

Peer-Learning blieb während der Summer School ein zentrales Element, insbesondere im Bar Camp. In diesem Format gibt es kein festes, von den Organisierenden vorgegebenes Programm; stattdessen entscheiden die Teilnehmenden gemeinsam über die Themen und organisieren den Ablauf selbst. Dies war für sie die Gelegenheit, sich vertiefter mit Fragen oder Inhalten zu befassen, die sie besonders interessierten. Dabei entstanden zehn von Teilnehmenden geleitete Sessions zu Themen wie kreative und künstlerische Zugänge zur Forschung, ethische Überlegungen in der Forschung, sowie das Lernen aus den methodischen Erfahrungen der anderen.

Interaktive Formate waren generell ein wichtiger Teil der School: Reflexionssitzungen nach den Workshops gaben den Teilnehmenden Raum, mit ihren Peers darüber zu diskutieren, was sie gelernt hatten und wie dies mit ihrer eigenen Forschungspraxis verbinden konnten. Ebenso wichtig waren die informellen Momente zwischen den Einheiten. Oft fand genau in den bewusst eingeplanten längeren Pausen wertvolles Lernen und Vernetzen statt.

„Die Pausen waren lang, und wir hatten abends Zeit, sodass es reichlich Gelegenheit gab, miteinander ins Gespräch zu kommen, das hat mir sehr gefallen!“

„Ich habe enorm vom Hintergrund der anderen Teilnehmenden profitiert. Ich fand es sehr wertvoll, mich ihnen auszutauschen.“

Lernen von einer sich wandelnden Institution

Ein Ausflug ins Ethnografische Museum der Universität Zürich bot eine praktische Fallstudie zu zwei aktuellen Themen: erstens zum gemeinsamen Umbenennungsprozess der Institution und zweitens zur kollaborativen Kuratierung und Archivierung zusammen mit Gruppen, deren persönliche Geschichte mit dem Museum verflochten ist. Die Nachkommen von kolonisierten Menschen, deren Objekte einen grossen Teil der Sammlung des Museums ausmachen und deren Wissen über diese Objekte und ihre Beziehungen zentral ist, werden regelmässig eingeladen, sich im Format „Rumble in the Archive“ einzubringen. Die Teilnehmenden der Summer School reflektierten darüber, wie sich Erkenntnisse über Partizipation aus diesen Prozessen auf ihre eigenen Projekte übertragen lassen. Vielen Dank an Prof. Dr. Alice Hertzog, Linda Addae, Dr. Alexis Malefakis und Dr. Rohit Jain.

„[Besonders gefallen hat mir] die Vielfalt der Dozierenden, die praxisnahen und theoretischen Perspektiven, die ‚top down‘ und ‚bottom up‘ Aktivitäten, die so vielfältige Gruppe von Teilnehmenden und die sehr spannend gestalteten Aktivitäten.“

Die Woche endete mit der Entwicklung individueller Aktionspläne, damit die Teilnehmenden ihre Projekte mit konkreten nächsten Schritten weiterverfolgen konnten. Insgesamt spiegelte die Summer School unser breiteres Engagement für eine offene, vielfältige und inklusive Wissenschaft sowie für Forschung wider, die mit und für die Öffentlichkeit betrieben wird.

„Jetzt fühle ich mich wie eine Expertin ;-) Ich finde auch, dass [Citizen Science] eigentlich Standard in der empirischen Ausbildung sein sollte.“

Die Mercator Stiftung Schweiz hat es uns ermöglicht, die Citizen Science Summer School zu organisieren. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung und freuen uns bereits auf die nächste Citizen Science School im Januar 2028 (Datum noch offen). Folgt uns für weitere Updates!

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