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Citizen Science Zürich

Auf 1940 m Grenzen überwinden – Die Österreichische Citizen Science Konferenz 2019

Derzeit liegt in Obergurgl (Tirol, Österreich) noch Schnee, jedoch wird dieser den saftigen Wiesen Platz gemacht haben, wenn sich die TeilnehmerInnen zur 5. Österreichischen Citizen Science Konferenz vom 26.-28. Juni in das Universitätszentrum Obergurgl aufmachen. Die Konferenz steht dieses Jahr unter dem Motto «Grenzen und Übergänge». In zahlreichen Vorträgen, Workshops und Postersessions werden Fragen diskutiert wie beispielsweise: Was sind die Grenzen in Citizen Science, wer bestimmt diese, und wie können Grenzen, Übergänge oder auch Hindernisse genützt werden? Obergurgl ist dafür ein passender Ort, denn hier stößt man sowohl auf natürliche Grenzen, wie etwa auf die Schneegrenze oder die Baumgrenze, als auch auf politische Grenzen, wie die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien.

Das Universitätszentrum in Obergurgl ist nicht nur mit Vortrags- und Seminarräumen inkl. neuestem Stand der Technik ausgestattet, sondern auch mit gemütlichen Zimmern, einem Restaurant und einer Bar, wo die spannenden Vorträge und Workshops  abends am Kamin reflektiert werden können. Und sollte der Konferenztag gar zu spannend gewesen sein, kann man im hauseigenen Wellnessbereich diese Spannung auch wieder abbauen.

«Besonders gespannt sind wir auf unsere beiden Keynote-Speaker, die uns Einblick in ihre vielfältigen Tätigkeiten im Bereich Citizen Science geben werden», freuen sich Florian Heigl und Daniel Dörler, Gründer und Koordinatoren von Österreich forscht. Denn Mag. Susanne Hecker untersucht am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig den Einfluss von Citizen Science am Übergang zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Im Mai 2016 hat sie außerdem die erste europäische Citizen Science Konferenz in Berlin organisiert und ist Erst-Herausgeberin des neuen Buches «Citizen Science – Innovation in Open Science, Society and Policy». Durch Susanne Hecker werden wir die neuesten Entwicklungen zu Citizen Science in Europa erfahren.

Monica Peters, wird in ihrer zweite Keynote hingegen Citizen Science in Neuseeland beleuchten und diese spannende Herangehensweise mit der europäischen vergleichen. Neben der breiten Beteiligung von BürgerInnen in wissenschaftlichen Projekten zum Natur- und Artenschutz (sogenanntes «community-led environmental monitoring»), wird Monica Peters vor allem auch über «Matauranga Maori», das traditionelle ökologische Wissen der neuseeländischen Ureinwohner, sprechen, und dabei die Verbindung zu Citizen Science aufzeigen.

Gleich zu Beginn der Vorträge werden die Übergänge zwischen Wissenschaftskommunikation, wissenschaftlicher Bildung der Citizen Scientists und deren Beteiligung an der Forschung dargestellt. Beispielsweise wird im Vortrag «Biodiversitätsmonitoring mit Landwirtinnen: Grenzen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz auflösen» ein Projekt präsentiert, in welchem BäuerInnen und AlmbewirtschafterInnen mit extensiven Wiesen und Weiden teilnehmen können. In diesem Projekt werden jedes Jahr bestimmte Indikatorarten festgelegt, die die TeilnehmerInnen beobachten und zählen sollen. Diese Daten werden dann auf einer Online-Plattform, gemeinsam mit der Bewirtschaftungsart der Wiesen gespeichert und ausgewertet.

Im Zentrum der zweiten Vortragssession stehen Projekte aus inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit wie etwa D-NOSES. In diesem geht es darum gemeinsam mit BürgerInnen, NGOs, lokalen Behörden, geruchsemittierenden Industrien und Hochschulen Maßnahmen zur Bekämpfung von Geruchsverschmutzung zu gestalten.

«Die grundlegenden Fragen von wissenschaftlichen Untersuchungen, wie Studiendesign, Datenqualität, Datenschutz oder Reproduzierbarkeit werden in der dritten Session behandelt», so Heigl. In diesem Zusammenhang besonders interessant dürfte auch die Diskussion über das Spannungsfeld zwischen professioneller Forschung und ehrenamtlichem Engagement werden. Im Vortrag «Homegrown – There is nothing like a homegarden» beispielsweise, werden die Nutzung bäuerlicher Hausgärten und die Veränderungen der Gärten und ihrer Bewirtschaftung über die Jahre dargestellt.

Vortragssession vier beschäftigt sich mit dem Überwinden von Grenzen. Citizen Science kann in diesem Bereich in einer sich ständig verändernden Welt eine Vielzahl an Lösungsansätzen bieten. Um kritische Ereignisse, wie vermehrte Felsstürze und Murenabgänge besser verstehen und vorhersagen zu können, ist es wichtig, möglichst viele Daten darüber zu sammeln und zu analysieren. Das Projekt CitizenMorph etwa beschäftigt sich mit der Erfassung und dem Verstehen geomorphologischer Phänomene, ein besonders aktuelles Thema in Zeiten des Klimawandels.

Für die Mitarbeit der Bevölkerung an Forschungsprojekten ist das grundlegende Verständnis für Wissenschaft Voraussetzung. Dieses Thema soll in der letzten Session behandelt werden. Ein Vortrag über Wissensvermittlung durch Gamification stellt das Projekt spacelab girls & exploreAT! vor. Die Produktionsschule spacelab ist ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren, die einen erhöhten Bedarf an begleitender Unterstützung bei der Bildungs- und Berufsplanung haben.

Die TeilnehmerInnen können erfahren was ein MOOC (Massive Open Online Course) ist und wie eine Citizen Science-Projektfinanzierung aussehen könnte.
Zu guter Letzt sollen im Workshop «Wie mache ich meine Daten FAIR: Findable — Accessible — Interoperable — Reproducible?» die eigenen Daten genauer unter die Lupe genommen werden und Fragen wie etwa: was sind FAIRe Daten und wie kann ich meine Daten «fair» aufbereiten, besprochen werden.

Sicher ist, dass die TeilnehmerInnen dieser Konferenz unabhängig von ihrem Wissensstand zum Thema Citizen Science inspiriert werden, ihre Forschung der Öffentlichkeit näher zu bringen, dass sie das nötige Know-How dafür bekommen und zum Schluss vielleicht noch eine entspannte Sommerwanderung auf die umliegenden Gipfel machen können. Bis 19. Mai 2019 ist es noch möglich sich für diese Konferenz zu registrieren.

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Sophie Hanak, Citizen Science Network Austria

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