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  • © Marc Latzel

Naming Together: Wer darf Museumsobjekte benennen?

Kontext

Das Völkerkundemuseum der Universität Zürich durchläuft derzeit einen kollaborativen Umbenennungsprozess, der in der Ausstellung «Neubenennen» (September 2026 bis Oktober 2027) thematisiert wird. Im Rahmen dieses Prozesses haben Partner*innen aus verschiedenen Communities auf ein umfassenderes Problem aufmerksam gemacht: Viele Objekte der Sammlung werden mit unpassenden, veralteten, rassistischen oder eurozentrischen Begriffen benannt und beschrieben. Diese Bezeichnungen spiegeln historische Wissens- und Machtstrukturen wider und nicht die eigentliche Bedeutung der Objekte.

Das Projekt verlagert daher den Fokus vom Namen des Museums auf die Bezeichnungen der sich darin befindenden Objekte. Es geht der Frage nach, wie verschiedene Formen des Wissens dazu beitragen können, die Informationen zur Sammlung genauer, respektvoller und inklusiver zu formulieren. Dies knüpft an das übergeordnete Ziel des Museums an, die gemeinsame Wissensproduktion und die Beteiligung verschiedener Communities zu stärken.

Über das Projekt

Das Projekt zielt darauf ab, genauere, respektvollere und inklusivere Bezeichnungen und Beschreibungen für Museumsobjekte zu entwickeln, indem verschiedene Formen des Wissens in den Forschungsprozess einbezogen werden.

Partner*innen aus verschiedenen Communities bringen kulturelles Wissen und Erfahrungen aus dem eigenen Leben ein; Digitalspezialist:innen erforschen neue Wege im Umgang mit Sammlungsdaten; und Künstler*innen sowie Vertreter*innen der Öffentlichkeit experimentieren mit verschiedenen Ansätzen zur Benennung und Darstellung. Die Ergebnisse fliessen in die Sammlungsdaten des Museums ein und werden online zugänglich gemacht.

Projektphasen

  1. Projektentwicklung und Konzeption – Frühjahr/Sommer 2026
    Das Projekt wird gemeinsam mit allen Partner*innen im Rahmen der Kuration von «Neubenennen» entwickelt. Partizipative Elemente werden gemeinsam mit den Community-Partner*innen konzipiert.
  2. Planung und gemeinsame Gestaltung – Herbst 2026/Winter 2027
    Forschungsfragen und -methoden werden gemeinsam mit den Partner*innen verfeinert. Die Community-Partner*innen beginnen mit sammlungsbasierter Forschung und Workshops; Familienaktivitäten werden gemeinsam mit 1002F entwickelt; und machTheater absolviert eine künstlerische Forschungsresidenz.
  3. Umsetzung – Winter/Frühjahr 2027
    Die Partner*innen arbeiten direkt mit der Museumssammlung, um Objekte zu erforschen und umzubenennen. Im Rahmen des OpenGLAM-Hackathons werden digitale Ansätze getestet, und die «Local Contexts»-Tools werden untersucht, um indigene Datenprotokolle in die Museumsdatenbank zu integrieren.
  4. Verbreitung – Frühjahr/Sommer 2027
    Die Ergebnisse werden im Rahmen von «Neubenennen» sowie in Form von öffentlichen Aktivitäten und künstlerischen Interventionen präsentiert. Die überarbeiteten Objektnamen und -beschreibungen werden in die Online-Sammlung des Museums integriert.
  5. Auswertung – Sommer 2027
    Das Projekt wird gemeinsam mit den Partnern ausgewertet, und die Ergebnisse werden genutzt, um zukünftige Kooperationen zu entwickeln und partizipative Methoden in die laufende Arbeit des Museums zu integrieren.

Einbezug von Citizen Scientists

Das Projekt bringt ein vielfältiges Netzwerk von Bürgerpartner*innen mit unterschiedlichen Formen von Wissen und Fachkompetenzen zusammen. Zu diesem Netzwerk gehören Wissenspartner*innen aus den Communities, die kulturelles Wissen und Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben einbringen; Partner*innen aus den Bereichen digitale Innovation und Daten Sovereignty, die mit ihren Tools und Ansätzen für die Arbeit mit Sammlungsdaten experimentieren; sowie Partner*innen für Bürgerbeteiligung und Inklusion, die Wege entwickeln, um ein breiteres und vielfältigeres Publikum einzubeziehen. Das Völkerkundemuseum UZH fungiert als Hub, der diese verschiedenen Formen der Beteiligung miteinander verbindet und neue Kooperationen ermöglicht.

Zentrale Partner*innen aus den Communities, darunter studiyo filipino und der Mapoon Aboriginal Shire Council, beteiligen sich direkt an der Erforschung und Umbenennung von Objekten aus ihren jeweiligen Regionen. Die Schweizer OpenGLAM-Arbeitsgruppe leistet einen Beitrag durch digitale Experimente und einen Hackathon, während Local Contexts Ansätze zur Datenhoheit indigener Völker unterstützt. Das machTheater bringt künstlerische und lebensnahe Perspektiven zur Namensgebung und Darstellung ein, und die Buchhandlung 1002F entwickelt partizipative Aktivitäten mit Kindern und Familien.

Die Beteiligung reicht daher von einer engen Zusammenarbeit mit Partner*innen aus der Gemeinde bis hin zur Mitwirkung einer breiteren Öffentlichkeit. Die Teilnehmer*innen bringen Wissen ein, über das das Museum nicht verfügt, helfen dabei, bestehende Klassifizierungen zu hinterfragen, entwickeln neue Ansätze für die Erfassung von Sammlungsdaten und gestalten mit, wie die Objekte repräsentiert werden. Ihre Beiträge fliessen direkt in die Forschung, die Ausstellung und die überarbeiteten Sammlungsinformationen ein. Die breite Öffentlichkeit kann über die interaktive Station der Ausstellung und öffentliche Veranstaltungen mitwirken, wodurch sich im Laufe des Projekts weitere Möglichkeiten zur Beteiligung entwickeln.

Weiterführende Informationen

Völkerkunde?museum, Universität Zürich

studiyo filipino

Kontakt

Prof. Dr. Alice Hertzog
Völkerkunde?museum
Universität Zürich

hertzog@vmz.uzh.ch

machTheater

Local Contexts

OpenGlam

1002F Buchhandlung