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  • © Agroscope/Gabriela Brändle

BRIDGES – Brücken zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft

Ein Co-Creation-Ansatz für partizipatives Monitoring aquatischer Biodiversität in Agrarlandschaften

Kontext

Kleine Fliessgewässer in Agrarlandschaften sind in bestehenden Biodiversitätsmonitoringprogrammen bislang nur unzureichend erfasst. Dabei sind landwirtschaftliche Flächen und Gewässer eng miteinander verbunden: Bewirtschaftung, Nährstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträge sowie Veränderungen von Wasserhaushalt und Gewässerstruktur können die Gewässerqualität und die dort lebenden Organismen beeinflussen. Um die Zusammenhänge zwischen Bewirtschaftung, Landschaftskontext, Gewässerqualität und Biodiversität besser zu verstehen, braucht es Datenerhebungen auf Betriebs- und Landschaftsebene. Zwar liefern bestehende Monitoringprogramme hierfür wichtige Grundlagen, sie können kleinräumige und praxisrelevante Zusammenhänge jedoch nur begrenzt abbilden.

BRIDGES setzt hier an und verbindet dabei unterschiedliche Perspektiven: Landwirt*innen bringen ihr Wissen über Bewirtschaftung und lokale Bedingungen ein, Bürger*innen ihre gesellschaftlichen Perspektiven und ihre aktive Beteiligung am Monitoring und Wissenschaftler*innen ihre methodische und ökologische Expertise. So entsteht ein gemeinsamer Rahmen, um Wissen zu erzeugen, Ergebnisse gemeinsam zu interpretieren und besser zu verstehen, wie Bewirtschaftung und Landschaftskontext Biodiversität und Gewässerqualität beeinflussen.

Über das Projekt

BRIDGES entwickelt und erprobt gemeinsam mit Landwirt*innen, Bürger*innen und Wissenschaftler*innen einen partizipativen Ansatz für das Monitoring aquatischer Biodiversität in Agrarlandschaften. Gemeinsam werden Ziele und geeignete Indikatoren definiert, praktikable Erhebungsmethoden entwickelt und unter realen Bedingungen getestet. Dabei geht es nicht nur um die Erhebung von Daten. Vielmehr werden die verschiedenen Perspektiven und Wissensformen der Beteiligten zusammengeführt, um Ergebnisse gemeinsam zu interpretieren und um zu verstehen, wie Bewirtschaftung und Landschaftskontext Biodiversität und Gewässerqualität beeinflussen. So entstehen für Landwirt*innen lokal relevante Informationen zu Gewässern in ihrem Umfeld, während Bürger*innen Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Gewässern und Biodiversität erhalten und sich aktiv am Forschungsprozess beteiligen können.

Auf dieser Grundlage entsteht ein übertragbarer Farmer-Citizen-Scientist-Ansatz für partizipatives Biodiversitätsmonitoring. BRIDGES schafft somit eine wissenschaftliche und methodische Grundlage für weiterführende Monitoring- und Forschungsaktivitäten und entwickelt und erprobt zugleich Formen des Austauschs zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.

Projektphasen

BRIDGES gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Phasen, an denen Landwirt*innen, Bürger*innen und Wissenschaftler*innen über den gesamten Projektverlauf hinweg beteiligt sind. Zu Beginn werden die Ziele des Monitorings, zentrale Fragestellungen, geeignete Gewässer und die Rollen der Beteiligten gemeinsam festgelegt. Auf dieser Grundlage werden geeignete Indikatoren und Erhebungsmethoden weiterentwickelt und erprobt, um wissenschaftliche Aussagekraft und praktische Umsetzbarkeit miteinander zu verbinden.

Anschliessend wird der entwickelte Monitoringansatz an ausgewählten Standorten umgesetzt. Landwirt*innen und Bürger*innen beteiligen sich an der Datenerhebung, während das Forschungsteam die Durchführung begleitet und die Qualitätssicherung unterstützt. In der abschliessenden Phase werden ökologische Daten, Informationen zur Bewirtschaftung sowie die Erfahrungen und Perspektiven der Beteiligten zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet. Auf Basis dieser Ergebnisse wird der Ansatz weiterentwickelt und geprüft, inwiefern er künftig auf andere Regionen oder Fragestellungen übertragen werden kann.

Am Projekt teilnehmen

Landwirt*innen und Bürger*innen können sich an allen Projektphasen beteiligen – von der Mitgestaltung des Monitoringansatzes über die Datenerhebung bis zur gemeinsamen Interpretation der Ergebnisse. Die Teilnehmenden werden über Partnerorganisationen und regionale Netzwerke gewonnen. Je nach Interesse, zeitlicher Verfügbarkeit und Vorkenntnissen können sie sich unterschiedlich intensiv einbringen. Möglich sind beispielsweise die Beurteilung von Gewässerlebensräumen, Messungen zur Gewässerqualität, Biodiversitätserhebungen oder die gemeinsame Auswertung und Interpretation der Ergebnisse. Landwirt*innen können darüber hinaus ihre Kenntnisse über Bewirtschaftung, lokale Gegebenheiten und Veränderungen auf ihren Flächen einbringen. Vorkenntnisse für die Datenerhebung sind nicht erforderlich; Schulungen, verständliche Anleitungen und standardisierte Materialien unterstützen die Teilnehmenden bei der Durchführung.

Ein zentraler Mehrwert der Beteiligung liegt im direkten Austausch zwischen Landwirt*innen und Bürger*innen. Beide Gruppen stehen häufig nur indirekt über landwirtschaftliche Produkte miteinander in Beziehung und kommen nur selten unmittelbar miteinander ins Gespräch. BRIDGES schafft einen gemeinsamen Rahmen, in dem sie ihre jeweiligen Perspektiven, Erfahrungen und Erwartungen einbringen und sich über die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Gewässern und Biodiversität austauschen können. Gleichzeitig ermöglicht die praktische Beteiligung am Monitoring einen unmittelbaren Zugang zu Fliessgewässern, Gewässerorganismen und der Wasserqualität im jeweiligen Landschaftskontext.

Weiterführende Informationen

Kontakt

Petra Dieker
Forschungsgruppe Agrarlandschaft und Biodiversität
Agroscope

petra.dieker@agroscope.admin.ch

Forschungsgruppe Agrarlandschaft und Biodiversität, Agroscope

Geographisches Institut, Universität Zürich

Zürcher Bauernverband

WWF Schweiz

AGRIDEA