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Fünf neue Seed Grant-Projekte zur Förderung partizipativer Forschung

Wie in den vergangenen Jahren bestand auch am achten und letzten Seed Grant Call ein grosses Interesse. Insgesamt sind 42 Projektanträge eingegangen. Von Stadtlärm, inklusiveren Museen oder Biodiversität in Agrarlandschaften bis hin zu end-of-life care und Mensch-Wasser-Beziehungen – die fünf geförderten Projekte decken ein breites Themenspektrum ab. Wir stellen sie kurz vor.

Autor: Ursina Roffler

HearHere – Participatory Noise Mapping

Das Projekt untersucht, wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen städtische Geräuschkulissen erleben. Mithilfe einer mobilen Sensor-App nehmen Bürger*innen Umgebungsgeräusche zusammen mit GPS-Koordinaten und subjektiven Bewertungen auf und halten so die gelebte Erfahrung von städtischem Lärm fest. Das Projekt bezieht gezielt Menschen mit Tinnitus oder neurodiversen Störungen (wie ADHS, Autismus) ein – Gruppen, die überproportional stark von Lärm betroffen sind, jedoch aus der konventionellen Stadtplanung ausgeschlossen werden. Ziel ist es, herausfinden, was Lärm-Hotspots und Bereiche mit positiver akustischer Entlastung im städtischen Umfeld auszeichnet. Und inwiefern sich subjektives Empfinden von etablierten objektiven Lärmmessgrössen (z. B. Verkehrslärmmodellen) unterscheiden. Dazu wird eine öffentliche Plattform geschaffen, auf der eine interaktive Lärmkarte, wissenschaftliche Erkenntnisse, psychoedukative Ressourcen für Bürger*innen und Daten für eine inklusivere Stadtplanung zugänglich gemacht werden.

Naming Together: A Citizen Science Approach to Museum Objects

Das Völkerkundemuseum der Universität Zürich durchläuft einen Umbenennungsprozess, der gemeinsam entwickelt und in der Ausstellung «Neubenennen» (09.26–10.27) präsentiert wird. Durch die Zusammenarbeit mit der Community hat sich gezeigt, dass es weniger um den Namen des Museums als vielmehr um die Bezeichnung der Objekte in der Sammlung geht. Diese werden oft ungenau, veraltet oder von kolonialen und eurozentrischen Denkweisen geprägt beschrieben. Naming Together bringt ein vielfältiges Netzwerk zusammen – darunter Partner aus der lokalen Community, indigene Mitwirkende und Künstler*innen. In Workshops, künstlerischen Interventionen und durch digitales Prototyping untersuchen die Teilnehmenden bestehende Objektbezeichnungen und entwickeln präzisere und inklusivere Alternativen. Das Projekt erstellt überarbeitete Metadaten für die Sammlung des Museums, die online veröffentlicht werden sollen und leistet einen Beitrag zu Debatten über Repräsentation, kulturelle Autorität und Restitution.

Gut leben bis zum Schluss – Partizipativ entwickelte Empfehlungen für die Begleitung von Menschen mit Anorexia nervosa am Lebensende

Menschen mit schwerer und langanhaltender Anorexia nervosa können wiederholte Zyklen von Zwangsbehandlungen durchlaufen, die nur begrenzten Nutzen bringen und mit erheblichem Leid verbunden sind. Als Reaktion darauf wurde die Sterbebegleitung diskutiert und in seltenen und umstrittenen Fällen auch durchgeführt. Diese Entscheidungen werden derzeit ohne transparente Leitlinien getroffen und die Stimmen der Betroffenen fehlen weitgehend in den politischen und fachlichen Debatten. Dieses Projekt schliesst diese Lücke, indem es im Rahmen einer Delphi-Studie – die Erfahrungswissen in den Mittelpunkt stellt – Leitlinien gemeinsam mit Menschen mit eigener Erfahrung mit Anorexia nervosa und ihren Bezugspersonen erarbeitet. Die Ergebnisse werden in die institutionelle Entscheidungsfindung am Universitätsspital Zürich einfliessen und zu transparenteren und ethisch fundierteren Versorgungswegen beitragen, die Menschen mit Anorexia nervosa dabei unterstützen, bis zum Ende ein gutes Leben zu führen.

Zum Projekt

Bridging fields and streams: a co-creation framework for participatory aquatic biodiversity monitoring in agricultural landscapes (BRIDGES)

Dieses Projekt erarbeitet und erprobt gemeinsam mit Landwirt*innen und Bürger*innen ein partizipatives Monitoring-Framework für aquatische Biodiversität in Agrarlandschaften. Dabei wird der ökologische Zustand kleiner Bäche und Entwässerungsgräben bewertet. Landwirt*innen bringen praktisches Fachwissen ein, helfen bei der Identifizierung geeigneter Indikatoren und gewähren Zugang zu den Standorten. Bürger*innen helfen beim Monitoring mit und bringen eine gesellschaftliche Perspektive ein, während Wissenschaftler*innen die methodische Qualität und die Datenintegration sicherstellen. Dadurch werden aussagekräftige und vergleichbare Daten darüber gewonnen, wie Bewirtschaftungspraktiken und der landschaftliche Kontext die aquatische Biodiversität und die Wasserqualität beeinflussen. Langfristig kann der Ansatz die Schweizer Monitoring-Programme ergänzen, indem er praxisrelevante Erkenntnisse liefert und die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft stärkt.

Zusammen am Wasser. Citizen Science in Zürcher Quartieren

Während Gewässer in Zürich allgegenwärtig sind und als Orte der Erholung, Infrastruktur und Ökologie dienen – die im Kontext von Klimawandel an Bedeutung gewinnen – sind die vielfältigen Beziehungen zwischen Menschen und Wasser im Alltag unzureichend erforscht. Im Projekt erfassen und reflektieren Bewohner*innen verschiedener Zürcher Quartiere ihre Erfahrungen, Praktiken und Perspektiven auf Wasser und werten diese gemeinsam aus. In Kooperation mit Zürcher Gemeinschaftszentren entstehen lokale Forschungsgruppen, die mit künstlerisch ethnografischen Methoden Daten zu Mensch-Wasser-Beziehungen erfassen. Sie entwickeln eigene Fragestellungen, führen Interviews im öffentlichen Raum durch und interpretieren die Ergebnisse gemeinsam. Das Projekt verbindet wissenschaftliche Forschung, künstlerische Praxis und soziale Begegnung. Es schafft neue Erkenntnisse über urbane Wasserkulturen in Zürich und stärkt soziale Kohäsion sowie ökologische Sensibilität.

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