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  • © AI-generated with Claude Sonnet 5, 2026

HearHere – Partizipative Lärmkartierung

Kontext

Lärm in der Stadt ist ein wachsendes Gesundheitsthema. Anhaltender Umgebungslärm verursacht Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Konzentrationsschwierigkeiten und emotionale Belastung. Weltweit leben schätzungsweise 466 Millionen Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung. In der Schweiz ist die subjektiv empfundene Störung durch Verkehrslärm zuhause von 23% (2011) auf 35.6% (2023) gestiegen. Gleichzeitig gibt es kaum Daten dazu, wie Menschen Lärm im öffentlichen städtischen Raum erleben, jenseits ihres eigenen Zuhauses.

Die aktuelle Lärmüberwachung in der Schweiz (z. B. sonBASE, die landesweite Lärmdatenbank des Bundes) stützt sich ausschliesslich auf modellierten Verkehrs-, Bahn- und Fluglärm. Diese objektiven, dezibelbasierten Schätzungen bilden nicht ab, wie sich Lärm im Alltag tatsächlich anfühlt. Diese Lücke betrifft besonders Menschen im «Hörspektrum» (Hörverlust, Hörgeräte, Hyperakusis, Misophonie, Tinnitus – dies betrifft 10–15% der Erwachsenen) und im «neurologischen Spektrum» (z. B. Autismus, ADHS, Hypersensibilität). Diese Personengruppen erleben oft eine deutlich geringere Lärmtoleranz als die Allgemeinbevölkerung und werden in der herkömmlichen Lärmforschung und Stadtplanung systematisch übersehen. HearHere schliesst diese Lücke, indem es über dezibelbasierte Verkehrsmodelle hinausgeht und eine partizipative, mehrdimensionale Lärmkarte entwickelt, die die gelebte Erfahrung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen erfasst

Über das Projekt

HearHere untersucht, wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, sensible wie auch normal hörende Personen, darunter Menschen im Hör- und/oder neurologischen Spektrum, urbane Klangumgebungen erleben. Über eine mobile App zeichnen Bürger*innen kurze Umgebungsgeräusche zusammen mit GPS-Koordinaten und subjektiven Einschätzungen auf (Lautstärke, Störempfinden, Dichtestress, persönlicher Zustand) und erfassen so die gelebte Realität von urbanem Lärm und Klang

Das Projekt hat zum Ziel, die erste gemeinschaftlich erstellte, mehrdimensionale Lärmkarte Zürichs zu entwickeln: Eine Karte, die nicht nur Lärm-«Hotspots», sondern auch positive «akustische Erholungszonen» aufzeigt. Damit trägt das Projekt dazu bei, die Lücke zwischen wissenschaftlichem Wissen und öffentlichem Bewusstsein für inklusiven urbanen Lärmschutz zu schliessen. Für die Teilnehmenden liegt der unmittelbare Nutzen in einer wertschätzenden Plattform und in persönlichen Erkenntnissen über die eigene Lärmbelastung. Für die Gesellschaft übersetzt das Projekt die von Bürger*innen erhobenen Daten in evidenzbasierte Empfehlungen für eine inklusivere Stadtplanung und unterstützt damit direkt den Nationalen Massnahmenplan zur Lärmminderung des Bundesamts für Umwelt (BAFU).

Projektphasen

  • Phase 1 – Konzeptnachweis & Co-Creation (abgeschlossen, Anfang 2026)
    Erste Einbindung der Projektpartner, Entwicklung der mobilen App, eine Pilotdatenerhebung mit über 20 Teilnehmenden und mehr als 100 geolokalisierten Audioaufnahmen in Zürich, sowie die erste Delphi-Runde (April 2026).
  • Phase 2 – Digitale Infrastruktur & breite Öffentlichkeitsarbeit (ab Spätsommer 2026
    Aufbau einer eigenen HearHere-Website mit interaktiver Lärmkarte und psychoedukativen Inhalten sowie Start gezielter Social-Media-Kampagnen (Instagram, LinkedIn u. a.), um eine breitere, inklusivere Gruppe von Teilnehmenden zu gewinnen.
  • Phase 3 – Erweiterte Datenerhebung & Delphi-Runde II (Herbst 2026)
    Fortlaufende, durch die Öffentlichkeit über die App gesammelte Daten sowie eine zweite Delphi-Runde (geplant für November 2026) mit Fokus auf vertiefte Audioanalyse, zeitliche Schwankungen und die Bestimmung akustischer Auslöser wie z.B. Bauarbeiten oder Veranstaltungen.
  • Phase 4 – Synthese, Politiktransfer & Verbreitung (Frühling 2027)
    Eine dritte (und möglicherweise vierte) Delphi-Runde wertet die Ergebnisse aus und führt sie zusammen. Gemeinsam entwickelt das Konsortium konkrete Empfehlungen für die Stadtplanung, präsentiert die gemeinschaftlich erstellte Lärmkarte öffentlich und bereitet Folgeprojekte vor, darunter ein geplantes SNSF-Agora-Gesuch.

Am Projekt teilnehmen

Mitmachen kann jede Person, die in Zürich lebt oder die Stadt besucht, unabhängig vom eigenen Hörprofil. Das Projekt richtet sich besonders an Menschen mit Hörverlust, Hörgeräten, Tinnitus, Hyperakusis oder neurodiversen Eigenschaften wie ADHS, Autismus oder Hypersensibilität. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Bürger*innen beteiligen sich (aktuell) auf drei Arten. Als Daten-Beitragende laden sie die mobile App herunter, erfassen eigene Lärm-Hotspots oder akustische Erholungszonen und ergänzen subjektive Einschätzungen. Als Delphi-Teilnehmende nehmen sie an Präsenzworkshops gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen von Behörden teil (z. B. von Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich, Pro Audito), um die Daten zu interpretieren und gemeinsam Empfehlungen für die Stadtplanung zu entwickeln. Als digital Mitwirkende setzen sie sich mit den psychoedukativen Inhalten auf der Projektwebsite und in den sozialen Medien auseinander, geben Feedback und verfolgen die laufende Entwicklung der Lärmkarte. Co-Creation prägt jede Dimension des Projekts, das durchgängig auf den Prinzipien von Open Science und Open Source aufbaut. Wir möchten den Bedürfnissen aller Beteiligten gleichermassen Raum und Wirkung verschaffen. Das Projekt bleibt dabei dynamisch und offen für Veränderungen. HearHere lässt sich als ein Projekt mit verschiedenen Ebenen verstehen: von spezifischen, gesundheitsbezogenen Bedürfnissen direkt betroffener Personen bis zu den breiteren akustisch-ästhetischen Aspekten des Alltagslebens in Zürich.

Die Teilnehmenden gewinnen persönliche Einblicke in ihre eigene alltägliche Lärmbelastung, einen seltenen und wertschätzenden Raum, um Erfahrungen von z.B. Dichtestress und sensorischer Überlastung mit Gleichgesinnten und Entscheidungsträger*innen zu teilen, sowie direkten Einfluss darauf, wie die Ergebnisse – einschliesslich der interaktiven Karte, öffentlicher Bulletins und Politikempfehlungen – gestaltet und geteilt werden. Ihre Beiträge fliessen direkt in die erste gemeinschaftlich erstellte, mehrdimensionale Lärmkarte Zürichs ein und münden in konkrete Empfehlungen für die Stadt und Selbsthilfeorganisationen. Zudem sollen sie auch Massstäbe für ähnliche Initiativen und Politikansätze auf nationaler und, potenziell, internationaler Ebene setzen.

Weiterführende Informationen

Medizinische Fakultät, Universität Zürich

Institut für Interdisziplinäre Sprachevolutions- wissenschaft, Universität Zürich

Kontakt

PD Dr. Patrick Neff
Medizinische Fakultät
Universität Zürich

Zino Wellauer
Institut für Interdisziplinäre Sprachevolutionswissenschaft
Universität Zürich

hearhere@isle.uzh.ch

Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich (UGZ), Stadt Zürich

Pro Audito Schweiz

Schweizerische Gesellschaft für Akustik (SGA-SSA)

Autismus Schweiz

elpos – ADHS-Organisation Schweiz